Aus der Zeitung Tageblatt:
Einen traditionellen Pressespiegel über ein gewisses Thema aufstellen ist relativ einfach: Man kauft Zeitungen, liest sie, und kopiert die zutreffenden Artikel. Versucht man nun aber zu verfolgen, was über ein gewisses Thema im Internet veröffentlicht wird, dann wird es kompliziert: Die richtigen Artikel, Blogs und Kommentare aus Millionen von Webseiten müssen herausgefiltert werden. Muss ein Mitarbeiter das manuell machen, dann ist er praktisch für immer und ewig beschäftigt.
Dieses Problem will Trendiction mit einem Softwareprogramm lösen. Das Programm durchforstet das gesamte Internet und speichert Texte automatisch ab. Die Kunden von Trendiction haben dann die Möglichkeit, zu gegebenen Keywörtern Suchresultate zu diesen Texte zu bekommen, so dass sie diese Texte automatisch in ihre Anwendungen (z.B. statistische Analysen oder Auswertungen) integrieren können. „Die Datenerhebung kann so automatisiert und zentralisiert werden“, so Christophe Folschette gegenüber dem Tageblatt. Das Programm bringe „eine erhebliche Kosten- und Zeiteinsparung“.
Gemeinsam mit Thibaut Britz haben die zwei Informatiker das Unternehmen im März 2009 gegründet. Das war ebenfalls das Datum, an dem sie auch ihren ersten zahlenden Kunden gefunden hatten. Heute hat die Firma bereits fünf zahlende Kunden. Zu den Kunden zählen Marktforscher, Medienbeobachter und PR-Agenturen. In sechs Monaten hoffen die Gründer, die schwarzen Zahlen erreicht zu haben. An dem Programm selbst wird bereits viel länger gearbeitet als die Firma alt ist. „Seit mehr als zwei Jahren haben wir die Software aufgebaut und weiterentwickelt“, so der gebürtige Düdelinger Thibaut Britz, der für die technischen Abläufe im Unternehmen zuständig ist. „Dafür haben wir kein Geld erhalten, mussten Abends und Nachts arbeiten, und auf Urlaub verzichten.“
Die Idee für die Entwicklung und die Vermarktung eines solchen Programmes hatte Thibaut Britz bei seinem ersten Arbeitgeber in der Schweiz. Dieser hat versucht, Wissen aus den Medien heraus zu ziehen. Beispielsweise: Wie kommt ein Marketing-Projekt bei den Kunden an? Welche Kommunikationsstrategie ist die beste? Was denken Kunden über ein gewisses Produkt? Das Sammeln der Daten aus dem Internet hatte sich jedoch als überaus schwierig erwiesen.
Das von Trendiction entwickelte Programm analysiert pro Tag rund 45.000 Nachrichtenartikel, 45.000 Blog-Texte und mehr als 15.000 zugehörige Kommentare, alle in deutscher Sprache. Diese Daten werden dann in Kategorien eingeteilt und der Suche hinzugefügt.
Die Herausforderung sei es, qualitativ hochwertige Daten in die richtigen Kategorien einzufügen, und schnell zu liefern, so Christophe Folschette aus Leudelange, der zuvor bei dem internationalen Beratungsunternehmen Accenture gearbeitet hatte. Die richtige Auswertung der gesammelten Daten wird nicht von Trendiction sondern von deren Kunden gemacht.
Die Anwendungsbereiche der Software sind vielfältig, so Folschette. Vor allem aber ermögliche es, Trends frühzeitig zu erkennen. Daher auch der Name des Unternehmens: „Trend“ und „Prediction“.
Heute sind die Firma und ihr Angebot nicht mehr nur eine Idee, sondern eine Realität. Derzeit habe man als Ziel, Marktführer im deutschsprachigen Raum zu werden, so Christophe Folschette, Verkaufsmanager. Die gesamte Welt könne man nicht auf einen Schlag abdecken, das sei zu aufwendig, und dafür bräuchte man zu viel Speicherkapazität. Alleine zum Speichern der Daten aus dem deutschsprachigen Raum hat Trendiction 50 Server gemietet. Später wolle man dann in andere Märkte vordringen.
Trendiction ist nicht das erste Internet-Projekt von Thibaut Britz. Vor mehreren Jahren hatte er die Suchmaschine „blue.lu“ entwickelt. „Die hatte ich aber nie richtig kommerziell entwickelt – das war eher um Erfahrungen zu sammeln“, so der Firmengründer.
Das zum Start von Trendiction benötigte Kapital haben die zwei Jungunternehmer selber aufgebracht. Diese 50.000 Euro hätten gereicht, um die erste Zeit zu überbrücken. Um die Finanzierung der nächsten zwei bis drei Jahre sicher zu stellen, wird in nächster Zukunft ein neuer privater Investor mit einsteigen, so die beiden Gründer. Um wen es sich dabei handelt, wollten sie nicht mitteilen.
Trendiction beschäftigt bereits heute fünf Mitarbeiter und hat seinen Sitz im Firmeninkubator Technoport in Esch/Alzette. Bis zum Ende des Jahres will das Unternehmen noch drei weitere „kreative“ Informatiker einstellen. Das sei das wichtigste, um das Unternehmen voran zu bringen, so die beiden 27jährigen Gründer.